Die Projekte 2025
Nachfolgend die Übersicht über die 2025 zu den Themen Musik und Erinnerung geförderten Projekte der Holger Koppe-Stiftung mit den regionalen Schwerpunkten Frankfurt am Main und Leipzig.
Beteiligung am sächsischen Demokratiepreis 2025
Seit vielen Jahren wird der von mehreren Stiftungen und Institutionen ausgelobte Sächsische Förderpreis für Demokratie vergeben. Ausgezeichnet wird die Arbeit von Initiativen, Institutionen und Vereinen, die sich besonders für die Erhaltung und Entwicklung der Demokratie einsetzen. Der Preis wurde von der Amadeu-Antonio-Stiftung in Berlin initiiert. Im Laufe der Jahre haben sich weitere Stiftungen der Verleihung angeschlossen und seit 2021 ist auch die sächsische Landesregierung an der Verleihung des Preises beteiligt. Neben dem Hauptpreis für „Solidarisches Pirna“ gab es mehrere Anerkennungspreise sowie einen Sonderpreis der Landesregierung. Die Preisverleihung 2025 fand am 06. November 2025 in Dresden statt. Für die Holger Koppe-Stiftung ist der Einsatz für Freiheit und Demokratie ein zentrales Element der Arbeit und die aktuelle Situation in Sachsen war ein Grund dafür, dass sie sich am Demokratiepreis beteiligt.
Wiederaufführung der Oper „Riccio“ im Capitol in Offenbach
Das Capitol in Offenbach hat eine Wiederaufführung der Oper „Riccio“ des in Offenbach geborenen und aufgewachsenen Komponisten Erich Riede (damals 26 Jahre alt und schon u.a. Assistenzdirigent an der New Yorker „MET“) sowie der Frankfurter Autorin Martha Wertheimer, die u.a. eine prägende Figur des jüdischen Frankfurts und Offenbach war, initiiert. Die Oper war Jahrzehnte vergessen und wurde erst jetzt wieder im Archiv des bekannten Offenbacher Musikhauses André entdeckt. Martha Wertheimer war vor 1933 für die Offenbacher Zeitung tätig, danach arbeitete sie für das Israelitische Familienblatt und übernahm Funktionen bei Makkabi Deutschland und organisierte Kindertransporte nach England. Im Juni 1942 wurde sie in Sobibor ermordet. Die Wiederaufführung der 1947 erstmals aufgeführten und bald danach vergessenen Oper fand am 09.11.2025 statt und wurde von der Holger Koppe-Stiftung unterstützt. Dirigent war Roland Böer.
Zeitzeugeninterviews zur Geschichte des Ariowitsch-Hauses in Leipzig
Das Ariowitsch-Haus wurde Ende der zwanziger Jahre von einem jüdischen Stifter errichtet und war im Nationalsozialismus ein Ort der Verfolgung von Juden. Seit 1996 wurde es zu einem offenen Kultur- und Begegnungszentrum mit der Eröffnung im Jahr 2009 entwickelt. Bis zum Jahr 2026 soll eine innovative, digitale Erzählformen nutzende Dauerausstellung über diese Geschichte eingerichtet werden. Unter Nutzung von Multimediainstallationen können die Besucherinnen und Besucher dann interaktiv navigieren und sich mit Lebensgeschichten der Menschen des Ariowitsch Hauses und mit dem jüdischen Leben der vergangenen Jahrzehnte auseinandersetzen. 2023 wurde damit begonnen, Zeitzeugeninterviews mit Personen zu führen, die aktiv an der Entstehung des Ariowitsch-Hauses als Kulturzentrum mitgewirkt haben. Diese Videointerviews wurden 2025 fortgesetzt und es wurden Personen befragt, die sich in besonderer Weise für die Wiedereröffnung eingesetzt haben. Die Zeitzeugen Interviews wurden von der Holger Koppe-Stiftung finanziell unterstützt..
Workshopreihe verfemte Musik des Erich-Zeigner-Haus e. V. in Leipzig
Im Rahmen der vom Erich-Zeigner-Haus e. V. in Kooperation mit Schulen in Leipzig und im Leipziger Umland umgesetzten Jugendrechercheprojekte (Stolperstein- und stille Helden-Projekte) ist seit 2024 als fester Bestandteil ein Workshop des DuoWaltherBosch mit dem Titel „verfemte Musik“ integriert. Die Workshops thematisieren die durch die Nationalsozialisten verbotene Musik von jüdischen Künstlern und schaffen eine Brücke zwischen der Recherchearbeit zu individuellen Opferschicksalen und dem in der Nazidiktatur geltenden gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang. Die beiden Musikerinnen Dr. Vanessa Bosch und Cornelia Walter, die das Duo bilden, haben schon mehrfach von der Holger Koppe-Stiftung geförderte Veranstaltungen durchgeführt. Die Fortsetzung der Workshop Reihe in 2025 wurde von der Stiftung finanziell unterstützt.
Lebenswege von verfolgten Künstlern der Leipziger Oper und Theater
Es gab in den Jahren von 1933 an der Oper Leipzig und den Leipziger Theatern viele beliebte Künstlerinnen und Künstler, die ihr Publikum begeisterten, die nach 1933 aber verstummt sind, weil sie aus rassischen oder politischen Gründen nicht mehr auftreten durften oder das Land verlassen haben. Die Zeit vor dem Verstummen darzustellen, steht im Mittelpunkt eines Projekts der Leipziger Oper zusammen mit der Musikwissenschaftlerin Allmuth Behrendt.
Auch wenn viele dieser Spuren durch die Vernichtung aller Personalakten im Krieg nicht mehr rekonstruierbar sind, stehen ausgewählte Biografien beispielhaft für die Lebensgeschichte anderer verfolgter Künstlerinnen und Künstler. Zunächst erfolgte eine Buchveröffentlichung dazu im Herbst 2025 im Verlag Hentrich&Hentrich, die von der Holger Koppe-Stiftung unterstützt wurde. Es folgt eine Kabinettausstellung, eine regelmäßige Biografie des Monats und eine Veranstaltungsreihe mit Leipziger Schulen und den Ausbildungsstätten und jungen Ensembles der Oper Leipzig, zugleich als Beitrag zum Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026.
Konzert „In terra pax“ zu 80 Jahre Frieden in Altenburg
Die Altenburger Kantorei hat gemeinsam mit dem Kyiv Sinfonie Orchestra ein Konzert am 11.5.2025 zur Erinnerung an das Kriegsende 1945 aufgeführt. Dabei wurde das Werk „In terra pax“ von Frank Martin aufgeführt, welches eigens zum Kriegsende komponiert wurde. Es wurde vor 80 Jahren uraufgeführt und beschreibt in seinem Verlauf Krieg und Frieden und stellt die Vergebung in den Mittelpunkt, die Voraussetzung zum Frieden ist. An dem Konzert haben 2 4-stimmige Chöre und ein großes Orchester mitgewirkt und die Zusammenarbeit mit dem Kiew Sinfonie Orchestra weist auf den Krieg inmitten Europas in der Ukraine hin. Es gibt auch eine Kooperation mit dem christlichen Spalatin-Gymnasium Altenburg, wo sich die Schülerinnen und Schüler im Musikunterricht mit diesem Thema auseinandergesetzt haben. Als Beitrag zur Gesamtfinanzierung erfolgte eine finanzielle Beteiligung der Holger Koppe-Stiftung.
Musikausbildung für Jugendliche am Emanuel Feuermann Konservatorium Kronberg
Emanuel Feuermann war ein jüdischer aus Österreich-Ungarn stammender Cellist, der im Alter von 15 Jahren Musikschüler in Leipzig war und schon in jungen Jahren eine Professur an der Berliner Musikhochschule erhielt. 1933 wurde er aufgrund seiner Herkunft von den Nazis entlassen und emigrierte aus Deutschland. Nach ihm ist das Emanuel Feuermann Konservatorium unter dem Dach der Kronberg Academy benannt, das Schülerinnen und Schülern aus dem Rhein-Main-Gebiet zwischen fünf und 18 Jahren die Möglichkeit gibt, am Streichinstrument zu üben und zu lernen und im Ensemble zu spielen. Bis zu 70 Jugendliche werden so in ihrer musikalischen Entwicklung gefördert. Die Holger Koppe-Stiftung unterstützte diese Arbeit 2025 durch einen finanziellen Beitrag.
Schülerfahrt der Werner-Heisenberg-Schule in Leipzig
Die Werner-Heisenberg-Schule in Leipzig führte im Juni 2025 eine Bildungsfahrt über Prag zu den Gedenkstätten in Theresienstadt und in Auschwitz durch. Insgesamt 15 Schüler der Jahrgangsstufe 9 mit dem Schwerpunkt der Fächerverbindung Geschichte – Sport nahmen teil. In Prag ging es dabei auch um die Geschichte des jüdisch-deutschen Fussballclubs DFC Prag. Wegen fehlender anderweitiger Förderungen hat die Holger Koppe-Stiftung die Fahrt mit einem Beitrag unterstützt.
Jubiläums-Konzert der Hieronymus-Lotter-Gesellschaft Leipzig
Die Hieronymus-Lotter-Gesellschaft dient der Förderung des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig. Seit fünf Jahren hat sie eine Kooperation mit den Markkleeberg Vokalisten. Jeweils im Frühjahr und in der Adventszeit finden gemeinsame Konzerte statt, deren Gewinn dem Stadtgeschichtlichen Museum für seine Arbeit zukommt. Am 26.4.2025 wurde anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Markkleeberg Vokalisten ein Jubiläumskonzert durchgeführt, das in der Alten Handelsbörse stattfand. Die Veranstaltung wurde von der Holger Koppe-Stiftung finanziell unterstützt.
Aufführungen von „All that matters“ in Offenbacher Schule
Im Jahr 2024 wurde das 2023 von der Holger Koppe-Stiftung geförderte Theaterstück „All that matters“ über die Kindertransporte jüdischer Kinder am Beispiel der elfjährigen Vera des Theaters La Senty Menti der Künstlerin Liora Hilb von der Stadt Frankfurt mit dem Karfunkel-Preis für das beste Kindertheaterstück ausgezeichnet. Das Stück wurde am 11.02.2025 zweimal vor Schülern in der Aula der Rudolf-Koch-Schule in Offenbach aufgeführt und nach jeder Aufführung fand eine theaterpädagogische Nachbesprechung mit den Schülern statt. Zur Vorbereitung in den Schulklassen wurden Vermittlungshefte zu den Themen Flucht und Vertreibung in der Zeit der Shoa erstellt. In Zusammenarbeit mit der Initiative 9. November e.V. wurden die Vorstellungen von der Holger Koppe-Stiftung finanziert.
Interaktive Medienstation „Jüdische Schulgeschichten“ im Leipziger Schulmuseum
Bereits 2024 wurde die Erneuerung der Medienstationen für die NS-Geschichte im Leipziger Schulmuseum von der Holger Koppe-Stiftung gefördert. 2025 wurde ergänzend eine interaktive Medienstation über die Geschichte der Leipziger Carlebach-Schule, der ersten jüdischen Leipziger Schule, eingerichtet. Zu Beginn der 2000er Jahre hatte das Schulmuseum Gespräche mit annähernd 50 ehemaligen Schülern der Carlebach-Schule, die während des Nationalsozialismus die Schule besuchten, geführt und die Gespräche in Ton und Bild aufgezeichnet. In einem ersten Schritt werden diese Zeitzeugen Gespräche über die Medienstation zugänglich gemacht, in einem zweiten Schritt über eine allgemein zugängliche online-Plattform. Die Einrichtung der Medienstation wurde von der Holger Koppe-Stiftung finanziert.
Ausstellung in der Riebeckstr. 63 in Leipzig
1892 wurde von der Stadt Leipzig auf dem Gelände Riebeckstraße 63 die „Zwangsarbeitsanstalt zu Sankt Georg“ eröffnet. Über ein Jahrhundert lang wurden hier von den Behörden Menschen eingesperrt, die durch Arbeit umerzogen werden sollten. Daran änderte sich auch in der Weimarer Republik nichts, ebenso im Nationalsozialismus und in der DDR-Zeit. Die Riebeckstraße 63 e. V. Kümmert sich um Aufarbeitung und Erinnerung an dieser Einrichtung und hat dazu eine Werkstattausstellung erarbeitet, die am 12.02.2025 eröffnet wurde. Die Eröffnungsveranstaltung wurde von der Holger Koppe-Stiftung unterstützt.
Schülerprojekt zur Förderung digitaler Kompetenzen in Weilburg
Der Verein Weilburg erinnert e. V. hat über das Thema Erinnern an die NS-Krankenmorde und die Ermordung Weilburger Juden ein Schülerprojekt mit der Nutzung sozialer Medien durchgeführt. Damit soll ein Gegengewicht vor allem zu Inhalten auf dem sehr stark von Rechtsextremen genutzte Medium Tik Tok mit seiner sehr starken Verbreitung unter Jugendlichen geschaffen werden, da dort sehr viele Falschinformationen verbreitet werden. In Projektwochen mit Schülern wurden Inhalte über die Krankenmorde in der Heil- und Pflegeanstalt Weilmünster sowie das Schicksal Weilburger Juden unter Anleitung von Content-Creatoren erstellt und in das Netz eingebracht. Diese Arbeit wurde finanziell von der Holger Koppe-Stiftung unterstützt.
Klezmer-Doppelkonzert in Leipzig mit dem Ensemble Rozhinkes
Seit 2011 wird vom Klezmer-Trio Rozhinkes regelmäßig ein Doppelkonzert im historischen Leipziger Ring-Café in Kooperation mit der Freien evangelischen Gemeinde durchgeführt, das 2025 zum zehnten Mal stattfand. Dabei kombinierten sich Klezmer-Musik und jiddisches Lied mit dem Ziel, diese Musikkultur als Teil einer lebendigen jüdischen Kulturlandschaft und einer international vernetzten Musikszene zu zeigen. Ergänzt um die israelisch-ukrainische Sängerin Sveta Kundish und den amerikanischen Akkordeonisten und Pianisten Patty Farrell wurden Musik und Biografien jüdischer Autoren und Künstler der zwanziger bis vierziger Jahre dargeboten. Das von der Holger Koppe-Stiftung geförderte Doppelkonzert fand am 08.02.2025 statt.
Stand: 01/2026


